Arbon Classics
01. Mai 2010

Es ist schon ein Jammer! Die gesammte Woche vor den Arbon Classics herrschte über der Schweiz ein Hochdruckgebiet mit traumhaften Sommerwetter. Am Donnerstag wurden in einigen Teilen vom Baselbiet 30įC erreicht. Ich denke die Bodenseeregion hing dem nicht weit hinterher. Doch pünktlich zum 1. Mai und den Arbon Classics zog ein Tiefdruckgebiet über das Alpenland und vermieste der Bevölkerung die Frühlingstimmung. Bei den Arbon Classics trafen sich so viele einmalig schöne Autos, dass in der Parkanlage von Arbon traumhafte Fotos von wunderschönen Oldtimern mit dem Bodensee und dem kleinen Hafen im Hintergrund, umringt von einer Blütenpracht hunderter Blumen entstanden wären. Doch das grusige Regenwetter machte dem ein Strich durch die Rechnung.
Die Arbon Classics sind eins der größten Oldtimertreffen in der Schweiz. Sie finden zu Ehren von Adolph Saurer statt, der in seinem Werk die größte Nutzfahzeugproduktion der Schweiz betrieb. Somit sind die Arbon Classics vor allem das größte Treffen von Saurer und Berna Nutzfahrzeugen.
Von 1903 bis 1983 wurden in der Adolph Saurer AG eine großen Zahl von LKWs und Busse unterschiedlicher Größen und Typenreihen für den zivielen Gebrauch gebaut. Ein großer Abnehmer von Saurer war natürlich auch die Schweizer Bundesarmee. Neben schweren LKWs und Spezialfahrzeugen wurden hier selbst Panzerwagen produziert. Die Produktion der Millitärtechnik lief bis 1987, als der letzte Saurer 10DM das Werk verlies und man sich nun am Turgauer Bodenseeufer auf die Produktion von Textilmaschinen konzentriert. In vielen Länder, u.a. in Österreich und Jugoslavien wurden Saurer Nutzfahrzeuge in Lizens hergestellt. Über weit mehr als 8 Jahrzehnten dominierten die Saurer Modellreihen das schweizer Straßenbild.
Denke ich an Saurer, fällt mir sofort das Postauto ein. Denn die Busse mit der markannten Schnauze und der gelben Lackierung sind ein typisches Relikt der Schweiz.
Fragt man die Deutschen nach typischen Relikten der Schweiz, erhält man wohl mehrheitlich die Begriffen, "Schoki, Käse, Alphörner, Bernhardiner oder Heidi" als Antwort. Für mich als Technikfan sind es aber grad das Postauto und die schweren Güterzüge, die zum Teil von vier Lokomotiven über den Gotthard oder Lötschberg gezogen werden.
In vielen Souvernierläden oder Kiosken erhält man so auch das typische Postkartenfoto eines Saurer L4C, der heute noch in den Sommermonaten den Gotthard auf der alten Passstraße überquert.
Der Saurer Alpenwagen III aus dem Wallis hat noch das typische Fahrstreckenschild an der Seite. Der Kurs Sion - Ardon - Sion ist eine typische Postautokurs. Aus der Stadt im Rhonetal hoch in die Alpendörflis und retour.

Auch Berna - der zweite große Nutzfahrzeughersteller der Schweiz - baute Postautos. Berna wurde später eine Saurertochter und steht so im direkten Zusammenhang mit der Adolph Saurer AG.
Wie der Name Berna vermuten lässt, hatte die Firma ihren Ursprung in Bern. Später wurde der Standort nach Olten verlegt. Der Berna-Alpenwagen I, UP240 von 1950 ist ein klassische Besispiel der Berna Postautoproduktion.

Drei Saurer nebeneinander.

Die kurze Fahrzeugform mit engem Achsstand, wie hier beim Saurer SV2C, ist bestens geeignet für die schmalen Passstraßen hoch zu den Bergdörflis.

Mitte der 40er kam der Saurer 1C auf den Markt. Bei diesem Fahrzeug wurde die schöne Schnauze gegen den Frontlenker mit Unterflurmotor getauscht und der Poschti bekam ein neues Erscheinungsbild.

Am Ende der 60er Jahre wurde die Stromlinienform modern. Saurer baute in dieser Form u.a. den 2H.

Die typische Kastenform, wie sie heute noch üblich ist, kam in den 70er Jahren. Hier ein Saurer RH525-23, wie er Anfang der 70er Jahre gebaut wurde.

Heute findet man kaum Postautos aus schweizer Produktion im Liniendienst. Die Zeiten von Saurer und Berna sind vorbei. Lediglich ein paar NAW sind vereinzelt in einigen Alpentäler zu finden. Die schweizer Post hat natürlich die Flotte ihres Omnibusbetriebes auf den modernsten Stand der Technik. Die Marken der gelb Busse mit rotem Zierstreifen und dem Posthorn an der Seite heißen heute u.a. MAN, Iveco, Mercedes, Volvo oder Neoplan. Adolph Saurer wäre es in seinen kühnsten Träumen nie in den Sinn gekommen, dass mal super moderne Neoplan Doppeldeckerbusse als Postauto verkehren. Was aber geblieben ist, sind die kleinen wendigen 20 Sitzer für die schmalen Straßen in die Berge hoch. Nur werden sie heute größtenteils von Iveco geliefert. Die Postautos besitzen übrigens Sonderrechte im Straßenverkehr. Kommt es zu einer Begegnung mit einem Postauto auf einer schmalen Straße, hat das Postauto stets Vorrang. Egal in welcher Richtung.


09. Mai 2010 - Ein ganz normaler Sonntag in der Schweiz.
Mit den Fotos eines NAW Postautos auf seinem Stamkurs, Amsteg - Bristen - Golzern Seilbahn, soll hier einmal der Einblick in den Alltag eines Postautos auf einem der atemberaubensten Postautokurse der Schweiz gegeben werden. Leider fehlt hier die Akkustik. Es tönt traumhaft, wenn die typische Fanfare vor jeder engen Kuve ertönt und das Echo im engen Tal zurückhalt.

Aber nicht nur die schweizer Post setzte Saurer und Berna Busse für ihren Omnibusbetrieb ein. Auch private und städtische Unternehmen griffen auf die Fahrzeuge aus schweizer Produktion zurück. Hier ein Saurer Postauto neben einem privaten Berna.

Auch in Deutschland gibt es Liebhaber der Saurer L4C. In meiner deutschen Heimat - in Wernigerode - verkehrt auch ein original Saurer L4C Postauto, was man zu Sonderfahrten buchen kann.

Viele Besitzer von Saurer Bussen bieten ihren Service für Oldtimerfahrten an.

Ins Müesli-Land verkehrt dieser Saurer.

Das Steuer rechts und die Schweibenwischer in der Frontscheibe integriert. Ein markentes Merkmal der schweizer Nutzfahrzeuge.

Das Bundeswappen und das Kantonswappen an der Seite sind typisch für den schweizer Verkehr.

Dieser wunderschöne Saurer trägt ebenfalls das Kantonswappen von Bern. Sehr schön ist die konturbetonte Lackierung der 50er Jahre. Passend dazu die Panoramadachfenster.

Der Kraftwagenbetrieb der städtischen Straßenbahn Zürich setzte diesen schönen Saurer 4BPO ein.
Bei Bodensee Oltimer Reisen kann dieser Berna für Rundfahrten gemietet werden

Jahrzehnte lang brachte der Wagen 81 der Luzerner Verkehrsbetriebe seine Fahrgäste auf der Linie 8 ins Kantonsspital Freidental. Bis er eines Tages eine Million Kilometer auf seiner Uhr hatte.

Saurer Car V2H in Stromlinienform der späten 60er Jahre.

Wechseln wir zu den Lastwagen. Auch hier das typische Saurermerkmal, Rechtslenker und Schweibenwischer in der Frontscheibe. Jetzt werden sich einigen fragen warum eine Firma Lastwagen und Busse mit Rechtslenker für ein Land mit Rechtsverkehr liefert. Der Grund ist aber so einleuchtend, wie genial durchdacht. Wenn es auf einem schmalen Bergpass in den Alpenländern zur Begegnung zweier Fahrzeuge kommt. Hat der Lastwagen- oder Buschauffeur aus dem rechten Fenster die bessere Übersicht, wie weit er sein Fahrzeug noch an den Felsen oder den Abgrund steuern kann.

Beim Wagen 5 von Hans Fischer aus Chur hat man einen schönen Einblick auf den V8 Diesel.

Der kurze Achsstand ist bestens geeignet für den Transport von Gütern in die kleinen Bergdörflis.

Ein Saurer 2CM als Frontlenker steht neben einem Saurer 2DM mit Schnauze und Dachträger.

Dieser Saurer LC2 ist ein schönes Exemplar das Kraftverkehrs der 50er Jahre.

Ein Saurer CR1D.

Der Berna 2U unterscheidet sich kaum vom Saurer LC2.

Die Adolph Saurer AG war an der Entwicklung von Dieselmotoren beteiligt. 1908 wurde in Arbon der erste schnelllaufende Dieselmotor getestet. 1928 wurden Saurer Lastwagen als erste Nutzfahrzeuge serienmäßig mit Dieselmotoren ausgestattet.

Ein Saurer 2C mit Pritsche.

Ein 2DM als Reisemobil.

Die Modelle von Berna und Saurer sind schon sehr zum Verwechseln ähnlich. Das deutet auf eine enge Zusammenarbeit hin.

Ob als Zweiachser oder schwerer Vierachser. Viele Varianten gab es vom D330B.

Ein schönes Modell ist der Saurer 602ms.

Ein Bauunternehmen reist natürlich mit Tieflader und Caterpillar Planierraupe zu den Arbon Classics.

Ein Unic Tiefladerzug mit alter Walze an Bod.

Natürlich wurden die Saurer auch als Feuerwehren genutzt. Das Saurer Feuerwehrfahrzeug von 1909 ist neben einen Opel Darracq von 1903 und einen Ford Modell F von 1909 eins der drei ältesten Autos, die ich fahrbereit je vor der Linse hatte. Dieses Fahrzeug verfügt noch nicht einmal über eine Luftbereifung.

"Alle Mann aufsitzen!" Sehr schöne Saurer 4B Feuerwehr Autospritze von 1929 der Flughafenfeuerwehr Zürich.

Ein wunderschönes Exemplar ist dieses Saurer Löschfahrzeug von 1927 der Feuerwehr Romanshorn.

Aus dem Jahr 1928 stammt dieser Saurer Leiter- und Mannschaftswagen der Stadt Arbon.

Von der Feuerwehr Wil im Kanton St. Gallen stammt dieses Löschfahrzeug auf der Basis vom Saurer 4BL.

Von 1938 stammt dieses Saurer-Löschfahrzeug der Feuerwehr Rorschach.

Die Saurer Drehleiter brachte die Feuerwehr Spreitenbach mit zu den Arbon Classics.

Eine weiterer Drehleiter auf der Basis eines Saurer kam von der Feuerwehr aus Zürich.

Auch dieses Saurer LF ist in Zürich beheimatet.

Die Feuerwehr Wetzikon brachte dieses Löschfahrzeug auf der Basis eines Saurer 2DM mit nach Arbon.

Ebenfalls auf der Basis eines Saurer 2DM wurde das Löschfahrzeug der Gebäudeversicherung des Kanton Zürich gebaut.

Ein weiterer Saurer 2DM. Diesmal als Drehleiter.

Der Aufbau dieses Saurer LF stammt von OM aus Milano.

Das jüngste Beispiel von Saurer Löschfahrzeugen ist der Saurer 6DM 4x4 aus Zürich.

Aus britischer Produktion stammt dieser Austin LF.

Der VW 1200 wurde als Einsatzleitfahrzeug bei der Feuerwehr Zürich genutzt.

Mit dem 1941 gebauten Berna wechseln wir zur Millitärtechnik.

Der Saurer 2DM 4x4 war ein häufig genutztes Fahrzeug der schweizer Bundesarmee.

Der Saurer D330 Muldenkipper dient als schweres Zugfahrzeug für einen Tieflader bestückt mit einem Saurer M8.

Man könnte meinen, das Erscheinungsbild des Saurer M6 soll schon den Feid vorm Gefecht abschrecken.

Saurer Mannschaftswagen 4MH 4x4 von 1954.

Als Panzerschlepper dient der Saurer D330B vor einem schweren Tieflader besetzt mit einem Panzerjäger G 13.
Der Panzerjäger G 13 wurde in Kooperation von Saurer mit Skoda, BMW und KW Thun produziert und war ein tschechisch/schweizer Gemeindschaftswerk aus den Jahren 1945-1949.

Da er vom schweizer Millitär zahlreich genutzt wurde, ist der Willys Jeep ziemlich häufig in der Schweiz zu sehen. Hier wird er allerdings in amerikanischer Beschriftung präsentiert.

Auch der nachfolger vom Willys - der CJ 5 - war im schweizer Millitär zu hause.

Die Achsverschränkung lässt zu wünschen über. Aber nach Aussagen meiner Kollegen, die im schweizer Millitär gedient haben, soll der Puch Haflinger wie sein Kollege - der Pinzgauer - im schweren Gelände unschlagbar gewesen sein.

Auch die Schweizer Bundesarmee kam um das UNIversalMOtorGerät aus dem Hause Mercedes-Benz nicht drumrum.

Der VW Kübelwagen 88 präsentiert sich im Anstrich des DAK und mit Palmentarnung.

Mit dem Land Rover 88 Serie II wechseln wir zu den zivilen PKW und beginnen die Rubrik mit britischen Modellen.

Im klassischen britischen Stil der 50er Jahre präsentiert sich der Rover 105S aus dem Jahr 1958.

Wenn wir grad beim klassischen britischen Stil sind, darf ein Austin Taxi nicht fehlen.

Bleiben wir bei Austin und machen ein Sprung in die 20er Jahrer.

Kein vernüftiges Oldy-Treffen kommt um einen MG herrum. Es ist wohl der schönste aller Briten.

Das ist mal ein richtiger Vauxhall und nicht so eine ewige Fälscherei, wie man an Opelmodellen auf vielen Opletreffen sehen kann. Der Vauxhall Rivera ist das britische Pondon zum Opel Rekord. Wunderschön mit Panoramascheiben und Zweifarblackierung, wie beim deutschen Cousin.

Der Rover R 3500 mit V8 unter der Haube.

Ein ganz besonderer Klssiker - Jaguar E-Type.

Der Rolls Royce verrät es, im Alpenland steckt die Kohle;-)

Sprung über den Teich. Mit dem Cadillac und dem Ford Modell A kommen wir zu den Amis.

Ein sehr schöne Ford A Pick up.

Chrom und Flossen brachte der Studebaker Presindent mit ans Bodenseeufer.

Mit der französischen Ambulance wechseln wir noch mal kurz nach Frankreich.

Der kommt der "Wellblech CitroŽn" grad richtig ins Bild.
Der CitroŽn H ist ein Klassiker der französischen Lieferfahrzeugproduktion.

Der "Gangsterwagen" - CitroŽn 11CV - ist für mich eins der schönsten Fahrzeuge, was je gebaut wurde.
In einer Kleinserie wurde er mit großer Motorisierung als 22CV gebaut. Mein Kollege Etienne philosophiert oft ob es noch ein fahrbereites Modell eines 22CV auf der Welt gibt. Für ihn als CitroŽnfan wäre es ein großer Traum mal einen zu sehen.

Die "Göttin" darf da nicht fehlen. Der CitroŽn DS gehört zu den Top 5 der Autos des 20. Jh.

Eins der schönsten Modelle der französischen Sportwagenproduktion - der Reanault Alpine. Ein Traum ihn mal vor der Linse zu haben.

Jetzt kommen wir zur Abteilung Sportfahrzeuge und beginnen diese mit etwas Speziellem. Der Enzmann 506 stammt aus schweizer Produktion und wurde auch im Kanton Torgau gefertigt.
Der Landarzt Emil Enzmann konstruierte den Sportwagen aus schweizer Produktion. Zwischen 1956-1968 wurden ca. 100 Fahrzeuge davon gebaut.
Es gab in in drei verschiedenen Varianten. Als Spider, Cabriolet und Hardtop. Alle Modellvarianten waren bei den Arbon Classics vertreten.
Das Fahrzeug wurde auf der Basis von VW Chassis gebaut. Bald erkannte VW eine Konkurrenz zum Karmann Ghia und lieferte die Chassis nicht mehr, worauf es zur Einstellung des Sportwagens aus der Schweiz kam. Heute gibt es noch 13 fahrbereite Enzmann 506.

Bei dem Dreckswetter lohnt es sich schon drei Scheibenwischer an der Frontscheibe zu haben. Sehr schöner Morgan +8.

Mit luftgekühltem Boxermotor - Porsche 356.

Mit V8 und 4,5 Litern - Ein sehr nobler Daimler von 1973.

Aus dem Hause VW - Zwei T2.

Aus Italien - Lancia Augusta von 1935.

Schön in Fahrt - Messerschmidt Kabienenroller KR 200.

Die Fledermaus - Jawa Netopżr von 1948.

Somit wird auch der Sprung zu den Töffs geschaft. Aus England - BSA 500.

Panther 101.

BSA 250.

Natürlich dürfen bei einem Oldtimertreffen auch Schlepper nicht fehlen. Passend zu einem schweizer Treffen auch Schlepper aus schweizer Produktion. Der Hürlimann aus Wil im Kanton St. Gallen wird auch oft als Rolls Royce unter den Traktoren bezeichnet.
Von allen in der Schweiz zugelassenen Traktoren hat die Marke Hürlimann einen Marktanteil von 22%.Das beweißt, dass die eidgenössischen Landwirte sehr viel Wert auf Qualität und Produkten aus dem eigenen Land legen.

Eine wirklich wunderschöne selbstfahrende Dampfmaschine konnte bei den Arbon Classics bestaunt werden.

Zu den Arbon Classics treffen nicht nur historische Straßenfahrzeuge am Bodensee ein. Wer wollte konnte mit dem "Roten Pfeil" der SBB oder einem Dampfzug durchs Turgauer Land fahren.
Foto + Text: André Breutel / Olten, 05.05.2010