Stadt-Trial
in Elbingerode / Harz; 13.-14.09.2008

In einer über 1000-jährigen Bergbaugeschichte durchwühlten Generationen von Bergleuten die Umgebung meiner Heimatstadt Elbingerode auf der Suche nach Eisenerz, Schwefelkies, Kalkstein, Manganerz, Kobalt und Marmor. Dabei verwandelten sie die Umgebunge von Elbingerode in eine Mondlandschaft und durchlöcherten sie, wie ein Schweizer Käse. In einem Dokumentarbericht vom MDR über den Bergbau in Mitteldeutschland wurde es so formuliert, "Keine andere Region in Europa ist vom Bergbau so geprägt und geschädigt, wie Mitteldeutschland."


So hab ich schon mal einen Bericht begonnen.

Eins dieser Bergbaureviere ist das Bomshaier Revier am Nordrand von Elbingeode. Vom Mittelalter bis ins 19. Jh. wurden hier Eisenerze in verschiedenen Eisensteinpingen, Schürfgräben und untertägigen Weitungen gewonnen.
Im Volksmund sind die Pingen am Stadtrand als "Crosskuhlen" bekannt. Denn Generationen von Jugendlichen hatten hier im 20. Jh. ihren Treffpunkt. Mit allem was Räder hatte wurde hier gefahren. Ob Fahrräder oder Kräder, Serienmaschinen oder abenteuerlichen Eigenbauten, Geländewagen oder fahrbereiter Schrott. Mit allerlei Fahrzeugen wurde hier das fahrerische Können unter Beweiß gestellt. Es wurde für Motorsportwettbewerbe trainiert, die Fahrzeuge getestet oder man hatte einfach nur seinen Spaß. Selbst den guten 2,3 Liter Leyland Saugdiesel meines 109er Land Rovers hab ich im Pingentiefsten zerheizt. Erst mit dem Bau der neuen Motocrossstrecke auf der Spülhalde der Grube Einheit - einem Bergbaurevier am südlichem Stadtrand - kehrte hier Ruhe ein und die Natur holt sich langsam das Gelände wieder zurück.

Durch die gute Beschaffenheit des Geländes beschloss Rolf Gentz Anfang der 90er Jahre hier den ersten Motorrad-Trial Wettkapf zu organisieren.
Zur diesjährigen Trial-Veranstaltung trafen sich am Wochenende des 13./14. September 2008 im Rahmen der Meisterschaftsläufe des Ostdeutschen Trial-Meisterschaft '08 und des Nord-Cup '08 78 aktive Trialsportler aus Mittel- und Norddeutschland in Elbingerode.
In dem Gelände wurde zu den Meisterschaftsläufen 10 Sektionen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden abgesteckt. In sieben verschiedenen Leistungklassen traten die Teilnehmer in jeweils vier Durchläufen gegeneinander an.

Die 1. Sektion war eine kleine Sektion mit sehr hohem Schwierigkeitsgrad.

Hier wurde ein Parcours aus Kalksteinblöcken eingerichtet. Wegen dem hohen Schwierigkeitsgrad fuhren hier nur die sehr geübten Fahrer aus den Klassen 2 und 3.

Die Steinblock-Sektion war nur mit viel Geschick zu bewältigen und oft ging die Traktion verloren.

Es ist nicht die Kunst schwungvoll auf die Blöcke zu fahren,
sondern oben zu stehen, den Schwung abzufangen und fehlerfrei das Mototrad auszubalancieren. Da man beim Aufwärtssprung die hintere Kannte des Steins nicht sieht, ist viel Gefühl und Übersicht nötig. Daher ist es nur was für die Experten der Klasse 2. Manch Fahrer aus schwächeren Gruppen testet das einmal.

Da am Samstag lediglich der Lauf der OTM durchgeführt wurde, gab es auch nur fünf Teilnehmer, die hier fuhren. So wurde die Kontrolle des Wettbewerbs von Rolf Gentz neben seiner Organisationstätigkeit durchgeführt.
Am Sonntag stießen die Fahrer des Nord-Cups hinzu und der Andrag war größer. Somit standen Christian Clausert und Johannes Bieder zur Wettbewerbskontrolle an dieser Sektion.

Die Sektion 2 war die leichteste Sektion. Wegen dem geringen Schwierigkeitsgrad wurde sie nur von Fahrern der Klassen 4-8 absolviert.

Die Schwierigkeit lag hier darin ein paar Bäume zu überqueren.

Bei dem trockenen Wetter dürfte das nicht die Schwierigkeit gewesen sein.

Am Sektionsende wartete noch als letzte Hürde eine enge Kehre mit einer schwierigen Fichtenwurzel auf die Trialer.

Die Sektion wurde von Thomas Neubauer und Marvin Röschel betreut.

Die Sektion 3 lag am Ende des Bergbaugeländes an einem kleinen Hang zu den Ortbergwiesen.

Auch hier hatte die Erosion stark gewirkt und es musste ein hinderliches Wurzelwerk befahren werden.

Als Hindernisse lagen hier auch einige Bäume auf der Strecke.

Beim Ausgang zur Wiesenfläche war ein gute Fahrzeugbeherrschung gefragt.

Auf die Fahrer der Klassen 2 und 3 warteten am Ende noch ein paar mächtig Baumstämme. Die Spezialisten der Klasse 3 musste sie quer nehmen.

Das dicke Ende kommt zu erst! Auf die Experten der Klasse 2 wartete mal wieder ein starker Kraftakt. Sie mussten die Stämme längs überfahren und ihre Karre am Bauanfang hochwuchten.

Auch hier gilt die Weisheit. Das Töff kraftvoll auf den Baum wuchten ist nur die Pflicht. Die Kür besteht darin, ohne den Motor aufsetzen über den Stamm weiterzukommen.

Da ich mit 1,76m zu klein war um über die Bäume zu fotografieren, bedanke ich mich bei Dietmar Wickert von der DLRG für die Bereitstellung des Fotostandpunktes. Bei Viola Bieder bedanke ich mich für das Foto.

Die Sektion wurde von Steffen und Viola Bieder betreut.

Gleich neben der Sektion 3 lag die Sektion 4. Sie war die "Steinsektion". Teilweise wirkte es hier durch die Granitbrocken wie im Hohnegebeit oder am Brocken.

Auch für die hamburger Jungs war die steinige Abfahrt der leichteste Teil des Parcours.

Mühsamer war es am Sektionsende die großen Brocken zu meistern.

Auch hier wurde der eigene Motor zum größten Hindernis. Wer so hängt, der hängt! Da ist die Traktion im Arsch und der Pneu geht in Rauch auf.

Aber der großes Brocken war nur was für die geübten Jungs der Klasse 2.

Die fortgeschrittenen der Klasse 4 nahm die Abkürzung über ein flacheres Steinbett
und die Fahrer ab der Klasse 5 umgingen den Granithärtling.

Es war die Sektion von Marco und Felix Breutel.

Bei der Sektion 5 tauchten die Fahrer erstmals in eine Eisenerzpinge ab.

Es war die Sektion der steilen Auf- und Abfahrten.

Dabei wurde die schwungvolle Steilfahrt durch schwere Hindernisse zum Risiko. Gerade der Veranstaltungsleiter erlitt hier den folgenschwersten Sturz mit Verletzungsfolgen.

Die Kunst bestand darin die schwungvolle Fahrt abzufangen und auszubalancieren.

Der elbingeröder Trialkurs ist berüchtig für die engen Kehren, wo das Fahrzeug im Stand um 180 gedreht werden muss.

Danach beginnt wieder ein Steilfahrt mit schweren Hindernissen, die auch den geübtesten Fahren alles Können abverlangen.

Da es so spektakulär ist, bleiben wir noch bei diesem Hindernis.

Diesen sensationellen Balaceakt legt Christian Zollfrank hin.

Ab der Klasse 3 wurde das schwere Hindernis etwas leichter, aber noch lange nich locker umkurvt.

Zur kommisarischen Überwachung waren hier René Lichters und Luisa Möllenberg eingesetzt.

Die Sektion 6 war eine Sektion fürs Auge. Sie gefiel mir mit am besten. Einige am Hang liegenden Baumhindernisse verlangten den Fahren viel Können ab und animierten die besten zu schönen Sprüngen.

Wurzelwerk, Sturmschäden und
für den Kamin passendes Fichtennutzholz sorgten für viel Fahrspaß und guter Unterhaltung der Zuschauer.
Mike Bergmann hat hier wenig Mühe das Hindernis zu befahren.

Die Jungs der Klasse 2 (Die Klasse 1 ist übrigens Profisport und es geht um die Deutsche Meisterschaft) mussten ein kurzen Anlauf zu einem schwungvollen Sprung über eine ausgespülte Fichtenwurzel meistern.

Der Klasse 3 wurde hier schon reichlich Anlauf gegönnt. Ab Klasse 4 wurde die Wurzel umfahren.

Die Sektion kontrollierten Andy Wildner und Tom Pippel.

Wir kommen langsam zum Pingentiefsten oder zur "Großen Crosskuhle". Die Sektion 7 lag am Doppelhang und war wieder eine Sektion der sehr engen Kurven und Kehren. Sehr lockerer Boden erschwerte die Sektion und oft wurde der fehlende Gripp zur Schwierigkeit. Für die Fahrer war es ein Vorgeschmack auf die Sektion 8.

Gerade hier war gute Fahrzeugbeherrschung gefragt. Denn das Motorrad musste auf engsten Raum gewendet werden um sich einen Vorteil auf dem lockeren Boden zu verschaffen.

Am Doppelhang legte mit Sicherheit jeder Elbingeröder gewaltige Sprünge hin. Die schönsten Sprünge sah ich hier von einem schrottreifen Trabbi. Die Trialer hingegen hatten nicht den Schwung vom gegenüber liegenden Steilhang und mussten ihre Fahrt auf kürzesten Raum bremsen.

Denn im Gegensatz zu uns, in unserer Jugend, mussten sie noch einige Bäume umkurven und Wurzeln überqueren.

Auch die Senioren der Klasse 4, wie hier Heiko Gemeinhard, kämpften mit ausgewaschnen Wurzeln und lockerem Boden.

Viel Laufarbeit zur guten Übersicht auf der langen und unübersichtlichen Sektion waren für Annett Breutel nötig. Gemeinsam mit Kevin Röschel betreute sie Sektion 7.

Die Sektion 8 befand sich am Steilhang der großen Bomshaipinge. Sie hatte es wirklich in sich. Auf dem ersten Blick wirkte sie ohne schwere Hindernisse ziemlich einfach. Doch das war trügerisch. Denn der lockere Boden und viel Geröll wurde in dieser Sektion zum Handicap vieler Teilnehmer. Viele Stürze, die teilweise mit viel Glück gliemflich ausgingen, waren hier die Folge. Das Sanitätsteam der DLRG hielt sich vorsichtshalber größtenteils hier auf.

Die Fahrer der Klasse 5 mussten den Hang schwungvoll hochfahren. Doch eine Wurzel und viel Geröll machte dies oft unmöglich.

Für die Klassen 2, 3 und 4 war die Umfahrung dieses Baumes eine große Hürde, an der viele Teilnehmer Strafpunkte sammelten.
Hier wurde in den wenigen Wettkampfstunden so viel Eisenerz bewegt, wie an einem ganzen Produktionstag der Bergleute im 18 Jh.
Der mangelnde Gripp machte die Beherrschung des Fahrzugs fast unmöglich.

Für viele Fahrer war der verhängnisvolle Sturz und fünf Strafpunkte das Ergebnis dieser Sektion.

Der Routinier Christian Zollfrank läuft die Strecke vor jeder Fahrt ab, um eine Veränderung der Lage der Steine vor der Fahrt zu registrieren.
So gibt es keine bösen Überraschungen und die Hindernisse können fehlerfrei überquert werden.

Einige Fahrer hatten die Sektion fast hinter sich und ein Sturz am letzten Geröllhang mit anschließenden Baumstamm war ihr Ende und es gab auch hier fünf Strafpunkte. Für den Spezialist Lars Böttcher ist das kein Problem.

Zur Betreuung der Sektion standen hier Maik und Sophie Riemenschneider.

Die Sektion 9 lag am westlichen Ende der "Großen Crosskuhle". Die Schwierigkeiten waren hier steile Felsen, eine große Anzahl von Totholz und eine steile Auffahrt durch engstehende Bäume.

Die Kunst des Fahrens lag hier nicht im Erklimmen der Steilkannte,
sondern den richtigen Gripp im anschließenden lockeren Boden zu finden. Einige Abstürze waren das Ergebnis der erfolglosen Suche nach der Traktion. Der Absturz eines Fahrers führte zur einzigen Aufgabe eines Teilnehmers wegen technischen Deffekt.

Die Klippe war aber nur Bestandteil für die Spezialisten der Klasse 2. Die Experten der Klasse 3 hatten es hier schon etwas einfacher.

Das fehlerfreie Umsetzen der Maschine im Stand war auch auf diesem enggesteckten Kurs gefragt.

In einer engen Kurve wartete dann auch etwas vermoderndes Totholz auf die Fahrer.

Schwungvoll musste noch eine schwierige Auffahrt aus großen Steinen und lockerem Boden gemeistert werden,
bevor es dann am Steilhang zwischen den engen Bäumen fast im Slalomkurs hindurch ging.
Auch hier musste der große Schwung ruckartig abgefangen und in eine 90 Drehung umgesetzt werden.

Die 9. Sektion betreuten Torsten und Franzi Werl.

Die 10. Sektion lag in einem Schürfgraben am Rand des Eisensteinreviers. Durch einige dicke Fichten und Tannen sowie umgestürzten Bäumen wirkt es hier fast urwaldartig.
Der für Elbingerode typische enggesteckte Kurs, etwas Totholz und
einige freiliegende Wurzeln am Hang waren hier die normale Schwierigkeit.

Bei den Fahrern konnte hier auch wieder die gute Fahzeugbeherrschung
und ein starkes Gefühl für die Balance beobachtet werden.

Am Ausgang der Sektion war mit dem felsigen Steilhang der schwierigste Teil der Sektion 10 zu meistern.

Zur Kontrolle der 10. Sektion waren Knut und Hannes Sauerbaum eingesetzt.

Viele Pokale warteten am Ende der Trialläufe auf die Besten ihrer Klassen. Am Samstag konnte ich bei der Siegerehrung des ersten Lauf zur Ostdeutschen Trial Meisterschaft noch Fotos machen. Am Sonntag verhinderte einsetzenden Regen Fotos von der Ehrung.

Johannes Bieder überreicht den Pokal an Tillman Weber.

Hier die bestplatzierten der Klasse 6.

Die Klasse 4 gewann Heiko Ruttloff vor Sebastian Zollfrank.

In der Klasse 2 gewann Mike Bergmann vor Christian Zollfrank.

Klaus Kommerau und Thomas Mikofsky von der Gaststätte Christienenteichbaude verköstigten die Gäste und Veranstalter.

Auf einer kleinen Händlermeile konnten sich die Fahrer noch mit dem passenden Outfit und Ersatzteilen ausstatten.

Die Sektionen wurden in einer mehr als einwöchigen Arbeit von Marco Breutel und René Lichters vom TuS Elbingerode abgesteckt. Nach dem ersten Lauf am Samstag wurde der Kurs noch mal leicht verändert.

Der Trialnachwuchs trainiert schon mal mit dem Trialfahrrad für die nächsten Veranstaltungen in Elbingerode.

Foto: + Text: André Breutel
Neckarsulm, 19.09.2008

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